Rogers zu Gruppen (oder Teams)

„Wie ich eine Gruppe leite“

 Setzt man „bei der Person statt beim Individuum an, braucht es keinen ’systemischen Zusatz‘ “ (Schmidt 1996, 111). Das bedeutet im Personzentrierten Ansatz bei der Person und ihrer individuellen Wahrnehmung (ob in Therapie oder Beratung) anzufangen und aus dieser heraus zu verstehen, denn genau aus dieser Perspektive fühlt, denkt und handelt die Person. Dabei befindet sie sich ohne Frage zugleich immer in einem systemischen Kontext durch ihr In-Beziehung-Sein, durch ihre soziale Umgebung. Der Personzentrierte Ansatz umfasst von vornherein die Person in ihren Beziehungen, in ihren Gruppen, in ihren Systemen, denn hier ist das Individuum durch sein In-Beziehung-Sein Person geworden und wird es weiter.

Zum Personzentrierten Ansatz in Mehrpersonensettings

„Wo die anderen nicht physisch anwesend sind, ist die Beziehung zu ihnen Teil des Verständnisses der Person und daher wesentlicher Bestandteil jedweder personzentrierten Arbeit“ (Schmidt 1996, 112).  Ich möchte vor allem verdeutlichen, dass der PZA in Mehrpersonensettings die gleiche Relevanz haben und erfolgreich sein kann, im Sinne eines förderlichen und hilfreichen Prozesses, wie in personzentrierten Einzelsettings. Hierzu äußert sich Rogers ausdrücklich auch in seinem Aufsatz „Wie ich eine Gruppe leite“ (Schmid 1996, 547):  „Mein Versuch, die genaue Bedeutung dessen zu verstehen, was eine Person mitteilt, ist mein wichtigstes und häufigstes Verhalten in Gruppen“.

 In Anlehnung an diese „Haltung“ Rogers ist die Voraussetzung für den „Personzentrierten Ansatz in Mehrpersonensettings“, dass die förderlichen und hilfreichen Bedingungen des PZA durch die Person eines Gruppenleiters, Facilitators oder einer anderen personzentriert agierenden Person eingebracht werden – oder in einem „Leitungsteam“ modellhaft vorgestellt werden können. Oder aber – und dies wäre die ideale Situation – die ganze Gruppe, also jedes einzelne ihrer Mitglieder, wäre in der Lage, einer für den anderen Facilitator zu sein. Dieser scheinbar ideale Zustand ist erreichbar, wenn die einzelnen Mitglieder einer Gruppe jeweils „personzentriert“ im oben genannten Sinne Rogers sein können. Grundsätzlich gilt also, dass immer mindestens eine wirklich personzentriert agierende Person in einer Gruppe als Impulsgeber für das In-Gang-setzen eines tiefen Verstehensprozesses anwesend sein sollte. Entscheidend ist dabei, dass es dieser Person tatsächlich gelingt, ein Klima für wirklich offene interpersonale Kommunikation zu schaffen. Dies gilt weit über den therapeutischen Prozess hinaus und lässt sich – wieder am besten mit Rogers Worten – sagen: „Seit langem bin ich felsenfest davon überzeugt […], daß die therapeutische Beziehung nur ein spezieller Fall allgemeiner zwischenmenschlicher Beziehungen ist, und daß die gleiche Gesetzmäßigkeit alle interpersonalen Beziehungen regelt“ (Rogers 1961 / 2006, 53).

 QUELLE: Dieser Textauszug stammt aus einer meiner studienrelevanten Arbeiten mit dem Titel „ Der Personzentrierte Ansatz in Mehrpersonensettings“ vom 19.10.2012.