Personzentrierter Ansatz

Personzentrierter Ansatz (PZA / PCA)

Die Basis meiner Arbeit als Personzentrierte Beraterin ist der Personzentrierte Ansatz (PZA). Was heißt das? Es heißt zum Beispiel, dass das humanistische Menschenbild Grundlage ist, das in vielem übereinstimmt mit dem christilchen Menschenbild, vor allem aber mit dem Menschenbild der Aufklärung. Der Personzentrierte Ansatz selbst stammt, historisch wie konzeptionell, von dem amerikanischen Psychologen, Psychotherapeuten und Pädagogen Carl R. Rogers (1902–1987). Er hat diesen Ansatz in jahrzehntelanger (vor allem) klinischer Forschungsarbeit zuerst als therapeutisches Heilverfahren entwickelt, als klientenzentrierte Psychotherapie. Auch in Auseinandersetzung mit verschiedensten philosophischen Strömungen (Martin Buber, Sören Kirkegaard, Laotse u.w.). Über viele Jahre hat sich gezeigt, dass der Ansatz über die therapeutische Arbeit hinaus sehr erfolgreich in vielen psychosozialen oder gesellschaftlichen Kontexten als Hilfeverfahren angewendet wird, also wirksam weit über Therapie hinaus. Deshalb nannte Rogers ihn schließlich Personzentrierter Ansatz, weil es, ob nun im Hilfe- oder Heilverfahren, um die (ganze) Person geht, es den ganzen Menschen betrifft und seinem Lebensumfeld, selten nur ein bestimmtes Problem.

Sich selbst erkennen im Kontakt und in Beziehung mit anderen

Personzentriert in der praktischen Arbeit heißt dann nämlich zuerst und vor allem Beziehung – in Beziehung sein – auf der Basis des humanistischen Menschenbildes. Zum Personzentrierten gehört damit auch, dass Sie, ob Klient, Patient  oder einfach Ratsuchender,  der Experte für Ihr Leben sind und dieses Expertentum in den Unterstützungsprozess einbezogen wird. Das heißt anders gesagt, als personzentrierte ausgebildete Beraterin kann ich Sie darin unterstützen, Ihre eigenen Gedanken, Vorstellungen, Ideen  anzuschauen, um herauszufinden, was für Sie das Richtige ist. So, dass Sie Ihre Probleme selbst lösen können, weil Sie sie selbst mehr und besser verstehen, wie eines mit dem anderen zusammenhängt.

Sie (als Person) zwischen anderen Menschen (im System)

Der Personzentrierte Ansatz sieht dabei immer Sie als Person in einem System von Beziehungen, Abhängigkeiten, Zuständigkeiten. Denn jeder Mensch ist in irgendeinem System oder Umfeld (Familie, Paarbeziehung, Job, Verwandtschaft …) verbunden mit anderen Menschen. Weil jeder Mensch sein Person-Sein oder seine Persönlichkeit erst in der Beziehung zu anderen Menschen entwickelt. Beziehungen zu anderen Menschen sind ein Grundbedürfnis. Und manchmal oder öfter gibt es unklare Situationen oder Probleme miteinander, die belastend sind. Genauer hinzugucken hilft, dass heißt auch, zu klären, was passiert, was man fühlt und welche Gedanken und Wertvorstellungen da sind. 

Wir sind immer „in Beziehung“

Im Kontakt  mit anderen Menschen werden wir zu der Person, die wir dann sind – und wir verändern uns ständig. Angefangen bei den frühesten ersten Bindungspersonen (Eltern, andere nahe Bezugspersonen) und andauernd bis zum Ende des Lebens. In diesen jeweiligen Beziehungen zeigen sich dann eben auch Kommunikationsstörungen. Oft merkt man gar nicht, was da ganz genau nicht gut läuft. Es bleibt unklar oder undeutlich, ist aber als Unbehagen spürbar. Irgendwas fühlt sich dann „komisch“ an. Doch sobald man anfängt zu verstehen, was genau da los ist, ist man schon auf dem Weg, eine Lösung dafür zu finden, wie es anders gehen kann.  Anders gesagt, ob es sich nun dabei um das Familiensystem oder das System der Arbeitskollegen oder Freunde handelt  – im Kontakt oder in der Beziehung stellt sich heraus, ob mein Selbstbild mit dem übereinstimmt, wie die anderen mich wahrnehmen. Sieht mich jemand, wie ich wirklich bin? Was macht dieses Bewertungssystem von außen, durch andere, eigentlich mit mir selbst?  Wie bewerte ich mich selbst eigentlich?

Personzentrierte Beratung nach Carl Rogers

Personzentrierter Ansatz für die personzentrierte Beratung

Die Personzentrierte Beratung, analog zum Personzentrierten Ansatz, basiert auf denselben Einstellungen, wie das klienten- oder personzentrierte Therapiekonzept mit seinen sechs Grundbedingungen, das in Deutschland als „Gesprächspsychotherapie“ (nach R.Tausch u. M.Tausch) bekannt ist. Hier gilt auf Seiten des Therapeuten oder Beraters, dass vor allem drei Bedingungen (s. Abb.) im Fokus stehen, die aber letztendlich eine einzige therapeutische oder beraterische Grundhaltung sind, weil sie untrennbar zusammenhängen.

Die Grundhaltungen

Dazu gehören die Fähigkeit zu einfühlendem, tiefergehendem Verstehen (EMPATHIE), die Fähigkeit zu wertschätzendem Akzeptieren oder Annnehmen-können des Gegenübers (AKZEPTANZ) – wie es sich in diesem Moment gerade zeigt. In Fachkreisen wird dies auch bedingungslose positive Beachtung genannt. Einfacher ausgedrückt könnte man es auch größtmögliche warmherzige Sympathie und Interesse am anderen nennen. Und schließlich geht es um die Fähigkeit des Therapeuten oder Beraters, echt zu sein in der Begegnung mit Ihnen, mit dem Ratsuchenden (KONGRUENZ). Es bedeutet, sich als Therapeut oder Berater nicht zu verstellen, keine Maske aufzusetzen, nicht als Experte, sondern als Mensch sichtbar zu werden. Das nennt man Kongruenz oder auch Authentizität. Es bedeutet, dass das, was ich als Person sage, so weit wie möglich übereinstimmt mit dem, was ich auch wirklich meine und fühle – so weit es mir zugänglich oder im Bewusstsein ist.

Von Mensch zu Mensch im professionellen Kontext

Mit anderen Worten, ich bin als Berater offen und ehrlich, wertschätzend, respektvoll und verständnisvoll. Sinn und Zweck dieser Grundhaltungen ist auch, dass ich als professionelles Gegenüber in der Lage bin mitzubekommen, was hinter den Worten steht, was eigentlich gemeint ist. Oder, was vielleicht gemeint sein kann. Dieses Mitgehörte biete ich Ihnen an, gebe wieder, was ich von Ihnen verstanden habe – über das Gesagte hinaus. Wenn ich richtig liege und Sie können „Ja, das trifft es“ dazu sagen, wird es Ihr tieferes Selbstverstehen also unterstützen. Es geht dabei nicht im Geringsten um Beurteilung oder Bewertung. Es geht darum, sich selbst mehr zu verstehen.

Sich nicht raushalten

Es bedeutet aber auch, ich kann mich selbst als Person nicht raushalten.  Ich (als Berater) sitze Ihnen von Mensch zu Mensch auf Augenhöhe gegenüber. Also wird es auch mir passieren, dass ich ein Urteil oder eine Bewertung spüre und ausspreche. Und selbstverständlich sind meine Wertvorstellungen und Glaubenssätze im Spiel, weil sie zu mir als Person gehören. Ich beziehe also Position – wenn es passt und angemessen ist. Ich stelle meins zur Verfügung, um im Dialog miteinander weiterzukommen – so wie es idealerweise in Gesprächen sein sollte. Aber es ist deutlich meine Bewertung oder meine Idee, die ich auch so nenne – und die für Sie gar nicht stimmen muss, aber eine Reflektionsebene sein kann. Professionell ist dieser Kontext genau deshalb, weil ich das als personzentrierter Berater oder Therapeut unterscheiden kann und für SIE deutlich mache. Denn es geht ja vor allem darum, auf IHR Selbsterleben zu hören, es nachzuempfinden oder mitzuempfinden und DAS mit Ihnen zu besprechen. Anders gesagt, ich versuche, Ihr zweites paar aufmerksame Ohren zu sein und Ihr zweites paar Augen, die von außen gucken, um zu helfen, Ihr Selbstverstehen zu klären. Aus diesem Selbstverstehen ergeben sich vor allem Veränderungen oder Lösungen. Professionell an dieser Haltung ist auch,  Sie sehr bewusst NICHT verändern oder manipulieren zu wollen – und weit weg zu sein von „Optimierungsberatung“. Ich kann gar nicht wissen kann, was das Beste für Sie ist. Ich kann Sie aber darin unterstützen, herauszufinden, was Sie eigentlich wollen oder brauchen.

Ideal und Anspruch der Grundhaltungen

Die drei Grundhaltungen des Beraters oder Therapeuten sind kaum vollkommen zu erreichen – aber Sie sind als Ideal immer anzustreben. Sie sind, weil sie untrennbar zusammenhängen, sozusagen als die eine ideale Haltung des Therapeuten oder Beraters anzusehen, um die er sich immer wieder bemüht. Nicht nur im Beratungskontext selbst, sondern auch durch fortwährende Supervision und Fort- sowie Weiterbildungen. Der Therapeut oder Berater ist zur Arbeit am eigenen Selbst ethisch und moralisch verpflichtet.

Warum ist die Grundhaltung so von Bedeutung?

Bezogen auf die Effektivität des personzentrierten Ansatzes bedeutet eine nur oberflächliche Grundhaltung, die als eine Methode eingesetzt wird oder als Methode einfach nur dazu kommt, anstatt selbst die sichere Basis zu sein, dass sie ihre tiefere und damit hilfreichere Wirkung verfehlt.

Beziehungsberatung oder Beziehungstherapie

Die personzentrierte Grundhaltung ist also der Ausdruck eines Beziehungsangebotes durch den Berater oder Therapeuten, das den Schwerpunkt der Beratung oder Therapie bildet. Personzentrierte Beratung oder Therapie ist damit vor allem Beziehungstherapie.

Das heißt, eine professionelle sowie kontinuierliche und längerfristige Ausbildung im Personzentrierten Ansatz ist Voraussetzung, um damit erfolgreich für SIE und in IHREM Sinne arbeiten zu können.

Selbstheilungskraft, eine Kraft in jedem Menschen

Rogers Grundannahme war, dass der Mensch danach strebt und dazu in der Lage ist, sein Leben selbstbestimmt und auf die für ihn richtige Weise zu leben. Sein Wort dafür war Aktualisierungstendenz. Es ist eine Art Kraft in jedem Menschen, die ihn immer wieder bewegt, sich im Lebensprozess zu entwickeln und seine Möglichkeiten zu entfalten. Das schließt nicht aus, dass eine Entwicklung auch in eine falsche, störende Richtung gehen kann, weil die äußeren oder inneren Bedingungen dies mit sich bringen. Jedoch gilt, dass  Menschen (oder Gruppen) grundsätzlich in hohem Maße die Möglichkeiten und Fähigkeiten, eigenes, auch unbewusstes, tiefes inneres Wissen, das in Körper und Psyche vorhanden ist, finden und nutzen zu können, um einen guten Weg für sich zu finden. Menschen haben damit auch enorme Selbstheilungskräfte, die sie aktivieren können. Darin, diesen Weg zu entdecken, Ihre Kräfte und Ihr Potential zu aktivieren – kann ich Sie personzentriert beraten und begleiten. Dies gilt ebenso für berufliche, wie für persönliche oder „private“ Fragen und Entwicklungen. Denn es ist sicher keine Plattitüde, dass beide Bereiche – ebenso wie Verstand und Gefühl oder Sachebene und Beziehungsebene – untrennbar verbunden sind. Kürzer gefasst: je stimmiger das eine, desto stimmiger das andere (und umgekehrt).

Nicht Methode, nicht Technik, sondern eine Lebensphilosophie

Für Rogers wurde wie gesagt aus der klientenzentrierten Therapie schließlich der Personzentrierte Ansatz, weil dieses hilfreiche Konzept weit über die Therapie hinaus seine Bedeutung hat. Es ist als ein konzeptioneller Ansatz verstehbar, um das Leben zu betrachten. Es ist eine „Seinsweise des Beraters“. Sie zeigt sich oder drückt sich in den Einstellungen und Verhaltensweisen des Beraters aus. Techniken oder Methoden aus anderen Disziplinen können auf der Basis des personzentrierten Seins hinzukommen. Weiterentwicklungen des Ansatzes waren von Rogers unbedingt gewünscht, Rogers war nie dogmatisch. Jedoch steht außer Zweifel, dass durch die bestimmte Art des personzentrierten Seins ein wachstumsförderndes Klima für den Klienten gegeben ist.

Für Rogers wurde dieser Ansatz schließlich eine grundlegende Lebensphilosophie. Es war zu keiner Zeit eine einfache Technik oder Methode. Nachzulesen zum Beispiel bei Carl Rogers und Peter F. Schmid in ihrem Buch „Person-zentriert“ ab Seite 239, das 2004 im Matthias-Grünewald Verlag Mainz in der 4. Auflage erschienen ist oder auch bei Jürgen Kriz und Thomas Slunecko im Fachbuch Gesprächspsychotherapie (ab Seite 15), das im  facultas Verlag 2007 erschienen ist.